Montag, 23. Januar 2017

Ein Klassiker-Auszug

Aus: Wichtige Worte zu den kämpferischen Anwendungen

von Chen Changxin


Ganz gleich,
ob vorne, hinten, links oder rechts:
ein Schritt – ein Schlag.

Wenn man auf den Gegner trifft,
sollte es normal sein,
die Oberhand zu erlangen.
Ihm dabei aber die eigenen Techniken
nicht erkennen zu lassen,
das ist vortrefflich.




Die Kunst des Faustkampfes ist wie die Kriegskunst:

Greife dort an,
wo er nicht vorbereitet ist.
Schlage zu,
wo er es nicht erwartet.

Greife an, um zuzuschlagen.
Schlage zu, um anzugreifen.

Leer und dann Voll.
Voll und dann Leer.

Vermeide das Volle und greife die Leere an.

Aus:



Mehr Info: hier

Samstag, 21. Januar 2017

Text: Traktat zur Regulierung der Atmung


Liebe Leser,

die Regulation der Atmung ist ein wesentlicher Bestandteil der chinesischen Kultur. Meist wird sie im Bereich des Daoismus verortet. Im folgenden findet ihr einen Text von Zhu Xi (1130 - 1200 n. Chr.), dem großen Philosophen des Neokonfuzianismus. Er zeigt, dass auch im Konfuzianismus der Atmung eine große Bedeutung beigemessen wurde.

Viel Freude beim Schmökern

Martin Bödicker



Traktat zur Regulierung der Atmung

Zhu Xi


Das von mir verfasste Traktat zur Regulierung der Atmung zeigt eine Methode, das Herz und den Geist zu nähren. Sind Herz und Geist des Menschen nicht gefestigt, ist sein Ausatmen oft zu lang und sein Einatmen oft zu kurz.

Daher muss man die Atmung harmonisieren. Ist sie dann ruhig und gleichmäßig, werden sich Herz und Geist nach und nach festigen. Menzius bezeichnete dies als: den Willen bewahren und die Atmung nicht entgleiten lassen.




Da ist eine Helligkeit über der Spitze meiner Nase.
Ich konzentriere mich völlig auf sie.
Zu jeder Zeit.
An jedem Ort.
Zu jeder Gelegenheit.
Stille und Gelassenheit.
Erreicht die Ruhe ihren Höhepunkt, atme ich langsam aus,
wie ein Fisch im Frühlingsteich.
Erreicht die Bewegung ihren Höhepunkt, atme ich langsam ein,
wie ein Insekt im Winterschlaf.
Die Schwere der Atmung öffnet sich - wunderbar und endlos.
Wer oder was kontrolliert diesen Vorgang?
Es geschieht ganz ohne äußeres Dazutun.
Wie auf Wolken liegend.
Oder im Himmel wandernd.
Ich wage es kaum, es zu beschreiben.
Bewahre das Eine und verweile in Harmonie.
So kann man ein höchstes Alter erreichen.

Dienstag, 11. Oktober 2016

Buch: Zhuangzi - Einige unnütze Gedanken

Liebe Freunde des Tai Chi Chuan,

lange Zeit habe ich gezögert, mich an den Zhuangzi zu wagen. Ich wusste nicht, ob ich ihm gerecht werden kann. Dabei ist Zhuangzi doch so essentiell für die chinesische Kampfkunst im speziellen und die chinesische Lebensart im allgemeinen.

Dann habe ich es einfach gewagt und vor Begeisterung gleich so einige Nächte mit ihm verbracht - danach lief es ganz von alleine - ich konnte kaum aufhören.

Jetzt ist das Buch fertig. Es liegt hier in meiner Hand und ich werde gleich noch einmal reinschauen - mit einer warmen Decke, einer Tasse Tee und etwas Schokolade. Vielleicht macht ihr ja mit.




Bestellen: hier

Inhalt:

- Zur Entstehung des Kosmos
- Zum Dao
- Das Qi
- Nicht-Handeln
- Von der Erkenntnis der Nicht-Erkenntnis
- Das Dao suchen
- Meditation
- Atemübungen
- Müheloses Agieren
- Den Körper bewahren
- Sein Leben leben
- Vom Nutzlosen
- Und wo bleibt die Moral?
- Der Herrscher
- Der wahre Mensch
- Zum Tod


https://www.amazon.de/Das-Dao-Zhuangzi-unnütze-Gedanken/dp/1539378241/

Dienstag, 4. Oktober 2016

Info: Neues Buch

Mitte Oktober soll ein neues Buch kommen - etwas Arbeit wartet noch.

Gruß an alle --- Martin


Mittwoch, 10. August 2016

Kleiner Gedanke: Zur Strategie des Pushhands


von Martin Bödicker

Folgenden Ablauf beim Pushhands mit Ma Jiangbao habe ich immer und immer wieder beobachten können:

Ma Jiangbao gelang es relativ schnell, eine stärkere Position als sein Partner zu erlangen. Durch ein kraftvolles Vordringen mit an oder ji hätte er den Partner nun von den Füßen heben können.

Aber genau das tat er nicht.

Obwohl er im Vorteil war, wich er mit zurück. Der Partner verlor daraufhin seine Struktur und Ma Jiangbao konnte ihn mit geringem Aufwand aus dem Gleichgewicht bringen.



Foto: Manos Meisen


Diese Strategie, auch als Stärkerer nicht sofort zuzuschlagen, ist sicherlich keine Erfindung von Ma Jiangbao. Sie ist vielmehr ein generelles Konzept in der chinesischen Strategemik. Man findet sie z.B. in den Einhundert militärischen Strategien des Liu Bowen sehr schön formuliert - eine Sammlung, die ich gerade für euch übersetzt habe:

Stärke

Ist man beim Kampf mit einen Feind zahlreicher und stärker,
sollte man den Feind zum Angriff verleiten,
indem man sich ängstlich und schwach zeigt.
Rückt der Feind dann leichtsinnig vor,
kann man ihn mit Elitetruppen angreifen und schlagen.
In der Kunst des Krieges heißt es:

Fähig sein, aber unfähig erscheinen.





Mehr Info zum Buch (6,10 Euro): hier


Wie oft sieht man auf Youtube-Clip einen Tai Chi'ler einen unterlegenen, aber noch strukturell stabilen Partner mit einem heftigen Fajing durch die Gegend werfen. Sicherlich eine hervorragende Technik, aber mich hat das irgendwie nie ganz überzeugt. Die wahre Faszination des Tai Chi Chuan liegt für mich gerade in der Anwendung der obigen Strategie:

Auch gegen einen unterlegenen Partner nicht sofort aktiv werden,
sondern ihn erst aus der Reserve locken
und ihn zu einer eigenen Aktion verleiten.
Dann ist es umso leichter ihn aus dem Gleichgewicht zu bringen.


Hier finden sich in besonderen Maße die Ideale der Ruhe und der Leichtigkeit des Tai Chi Chuan und man vermeidet auch jedes Risiko, sich in einer Auseinandersetzung zu früh zu weit vorzuwagen.

Montag, 8. August 2016

Interview mit Foen Tjoeng Lie über Taijiquan & Qi Gong in Deutschland und das tägliche Üben

Aus dem Interview von Angelika Fritz

Du lebst und unterrichtest ja schon lange in Deutschland, was hat sich denn in den letzten Jahren besonders verändert?

Im 90er Jahrzehnt des letzten Jahrhunderts hat Qigong und Taijiquan an Popularität und Verbreitung rasch zugenommen. In diesem Zeitraum entstanden viele Schulen und einzelne FachkollegInnen, die Qigong und Taijquan im Verein, über die VHS oder auf eigene Rechnung unterrichten. Seit einigen Jahren hat dieser Boom merklich nachgelassen. Jedoch gibt es immer noch genug InteressentInnen, die Qigong und Taijiquan erlernen wollen, um die eigene Gesundheit zu optimieren und mitunter auch um Meditation zu praktizieren.




Eine Entwicklung, die ich als Unterrichtender beobachtet habe, ist die abnehmende Bereitschaft, Qigong und Taijiquan über Jahre hinweg regelmäßig und ernsthaft zu erlernen und zu üben. Einige denken, man braucht nur einmal in der Woche zu einem Kurs von vielleicht 90 Minuten zu kommen und mitzumachen. Sie erwarten, dass man dann die Wirkung auf die Gesundheit oder Entspannung schon merken müsste. Und einige besuchen einen Kurs nach dem anderen, ohne die gelernten Übungen zu Hause weiter zu praktizieren.

Mehr: hier